Leben und leben lassen

Leben und leben lassen.
Mit diesem Motto bin ich aufgewachsen, sagen wir, so in der Mitte des letzten Jahrhunderts. Und nichts hat sich geändert.

Geht es mir gut, warum soll es anderen nicht auch gut gehen? Das war und ist ein Lebensmotto mindestens in den hundertdreißig Jahren, auf die ich mit persönlichem Wissen zurückgreifen kann.
Keine Angst, ich bin nicht so alt, aber die Hälfte schon. Die restliche Zeit wurde von meiner Verwandtschaft in München abgesessen – also Zeitzeugenberichte aus erster Hand und eine gelebte Lebenseinstellung. Ich weise darauf hin, dass es sich nicht um eine begüterte Familie handelt, aber mit gutem Auskommen. Wir leb(t)en nach dem Motto: Was man nicht ausgibt, muss man nicht verdienen.

München ist gestärkt aus zwei Weltkriegen herausgegangen. Es hat die politischen 68er und, was damals für viele noch schwieriger war, die friedliebenden 67er (Hippies) überlebt. Es wird auch nicht in der Flüchtlingswelle ertrinken.

Irgendwie erinnert mich das Heute an die Zeit vor den und während der Olympischen Spiele 1972. Anfängliche Skepsis wurde schnell vom Gemeinschaftsgefühl beiseite geschoben. Wie heute. Wir ertrugen das quadrierte Verkehrschaos in der Bauphase und freuten uns anschließend über das Ergebnis.

Wir müssen den derzeitigen Flüchtlingen dankbar sein, dass sie uns aus unserer Lethargie herausgerissen haben. Wir haben ein Aufrütteln gebraucht, ein Thema, das alle angeht; nicht nur einzelne Windrad-Betroffene, die den fünf Kilometer entfernt Wohnenden egal sind. Sattheit und Politikverdrossenheit sind auf dem besten Weg gewesen, das Land einzuschläfern. Plötzlich gibt es wieder etwas, worüber man sich Gedanken machen kann, wofür man kämpfen kann, was einen sichtbaren Erfolg nach sich zieht.

Wenn ich hier von München rede, meine ich die Menschen in der Stadt. Ich weiß auch, dass ein Großteil davon nicht Münchner sind. Aber das macht München aus. Es ist egal, woher man kommt. Die Summe gibt ein Ganzes, ein München.

München hat die Politik in die Knie gezwungen. Gut, es war ein Überraschungsangriff. Aber er hat gezeigt, dass Politiker manchmal reagieren und auch Rückgrat zeigen können; dass sie zwischendurch ihre persönlichen Ansichten mit einbeziehen. München hat gezeigt, dass Politik nicht nur palavern ist. Bewegung entsteht durch Anpacken, nicht durch Diskutieren, wie man es machen könnte.

München hat gezeigt, dass Mitgefühl wichtiger ist, als Vorschriften. Wichtiger Hinweis: Regeln und Vorschriften sind wichtig im Zusammenleben. Manchmal ist ein Ignorieren oder Außerkraftsetzen aber die schnellere Lösung.

Es geht mir hier nicht um den Sinn oder Unsinn, Flüchtlinge aufzunehmen. Dies kann an anderer Stelle getan werden. Alle Argumente sollten angehört werden. Für Unsinn gibt es ein Sieb; was Unsinn ist, ist dabei zu klären.

Es mag sein, dass der Ort München einem ein Großzügigkeitsgen einpflanzt, das man Freiheit-für-alle mit der Luft einatmet oder dass die Erinnerung an die Vergangenheit eine Rolle spielt. Das Ergebnis ist Weltoffenheit, Gemeinschaftssinn und Hilfsbereitschaft.

Danke München!

Dafür gibt es noch ein altes Gedicht von mir, welches das Thema unterstreicht.

D‘ Preissn

In Münchn is a Italiena und Türk a Baya,
fast scho wia da Huba und Meia.
Warum is des ned so mit di Preissn?
Auf di dan ma imma nu – irgndwia mid Argwohn schaung.
Dene dan ma imma nu ned traun,
obwoi ma d‘ ganze Weid willkommen heißn.

und noch einen aktuellen Leitsatz für alle:

One easy step to peace.
Don’t talk about them!
Don’t talk to them!
Talk with them!

WK

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