Autorenlesung AgAti in Augsburg

Am 14. November wollte ich etwas für meine Bildung tun. Das Wetter war novembrig, Augsburg das Ziel. Ich kann jetzt nicht diagnostizieren, ob ich jemals in dieser Stadt gewesen bin oder ob die bekannte Krankheit dafür zuständig ist. Jedenfalls war es für mich das erste Mal.

Zu Fuß von Neuhausen zum Hauptbahnhof (München). War schon vor sechzig und mehr Jahren Alltag. Ich gehe gerne.

Ich fahre nur alle ewigen Jahre mal Bahn, Erfahrungen. Doch Umwelt, Faulheit.

Bayernticket ist sinnvoll. Soviel hatte ich im Internet herausbekommen. 25 €, angemessen.

Eingabe am Automat klappte. Ich wunderte mich über mich und die Bahn. Reibungslos, das hatte es in unserer Beziehung gefühlt in meiner Kindheit gegeben. S-Bahn ausgenommen; die klappte immer bei sparsamer Nutzung. Fernverkehr. Ich vermied ihn.

Kreditkarte als Zahlungsmittel rein. ‚Geben sie Ihren PIN ein‘. Mein erster Gedanke, falsche Karte. Raus. Nein, es war eine Kreditkarte, keine Bankkarte. Karte rein.

‚Geben Sie Ihren PIN ein.‘ Ich war kurz davor zu schwören, dass ich in den letzten 70 Jahren keinen gebraucht hatte. Nirgendwo.

Bargeld war nicht möglich, da der Blechkasten nur 5- und 10-Euronoten annimmt. Da nützen dir 20er gar nichts.

Reisecenter. Angestellt. Zehn Minuten später kam ich dran. Als ich kurz vor der aufgerufenen Schalternummer ankam, wischten zwei Personen vor mich. Ich muss wohl etwas konsterniert dreingeblickt haben, denn der Herr vom Nachbarschalter fragte, wo ich hin solle.

Schalter 15. Das sei er, sein Zeigefinger deutete auf die 15. Dabei lernte ich, dass bei der Bahn jetzt die Nummer rechts vom Tresen angezeigt werden. War in meiner Erinnerung früher anders. Das kommt davon, wenn man nie Bahn fährt. Deren Rache? Oder für die arabischen Gäste?

Der nette Herr hielt mein bisheriges Ticketerlebnis für nichts Ungewöhnliches. Ja, es gäbe ständig Ärger mit den Automaten. Dass er die zwei Extra-Euro Servicegebühr für diese Auskunft verlangte, möchte ich ihm nicht unterstellen. Übrigens funktionierte meine Kreditkarte an seinem Terminal anstandslos – ohne PIN.

In meiner Kindheit bezeichneten meine Großeltern so etwas als Gangstermethoden.

Meine anschließenden Zweifel, ob ich in Augsburg je ankommen werde, zerstreute die Bahn innerhalb der nächsten 1 ½ Stunden.

Gegen 13:45 verließ ich die Baustelle Augsburg-Bahnhof. Die Stadt bestätigte großteils die Aussage meines Freundes. Der hatte zu meinem Plan, einen Nachmittag auf Erkundungstour zu gehen, kommentiert: ‚Was willst du so lange dort. Nach einer Stunde gibt‘s nichts mehr.‘ Das wollte ich widerlegen.

Als Fazit halte ich nach 4 ½ Stunden zu Fuß und 18 Kilometer fest: Der November mag Schuld gewesen sein. Die Wahrheit liegt vielleicht irgendwo in der Mitte. Ein Grund waren mit Sicherheit die gefühlt flächendeckenden Baustellen in der Stadt.

Sehr positiv abgerundet wurde der Tag durch die Lesung im Annapam. Ambiente im Gewölbe und der gelungene Vortrag der Autorengruppe AgAti mit surrealistischen Geschichten aus ihrem Buch ‚Verloren im Alltag‘.

Zu den einen sage ich: Ihr seid verbesserungsbedürftig.

Zu den anderen: Weiter so!

Zu mir: Mit 30 Kilometer zu Fuß heute hast du etwas übertrieben.

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