Revolution oder doch nur aus dem Untergrund?

Es mag ja sein, dass ich schon zu lange lebe, aber früher war alles anders. Und wem verdanken wir den Wandel? Ja, das möchte ich gerne wissen. Liegt es daran, dass man den Münchnern ihr neues Hobby genommen hat? Flüchtlinge willkommen heißen und ihnen zu helfen, passte König Horsti nicht ganz in den Plan. Der unkontrollierte und unüberschaubare Zuzug von Leuten, deren Denken bewiesenermaßen nicht in bayerischen Schule auf ein Leben mit der CSU vorbereitet worden war, machte ihm vielleicht Sorgen. Wobei er wissen könnte, dass ihnen allen das Ein-Parteien-System geläufig ist und die Beeinflussung monotheistischer Regierungsformen sicher nicht ihr primäres Ziel ist.
Aber zurück zu München. Flüchtlinge gibt es nicht mehr am Bahnhof, also was soll der Münchner jetzt tun? Etwas muss her, was König Horsti nicht auf dem Schirm hat.
Jetzt ist der Münchner nicht unbedingt von Haus aus ein Bombenleger. Ihm ist egal, wer über ihm regiert, solange er dabei seine Ruhe hat. Seine Ruhe ist dem Münchner heilig und daran wird nicht gerüttelt. Aber so ein bisschen Untergrund schadet nicht.
Das Kabarett ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Vielfach kann es als Klamauk (das ist das deutsche Wort für Comedy) bezeichnet werden.
Also was liegt nahe? Man kombiniere Untergrund mit Klamauk. Mal sehen, wie Horsti reagiert. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass der gemeine (nicht nur von ’allgemein’) Münchner gar nicht an seine Regierung gedacht hat, als er sein metereologisch-biologisches Experiment anfing.
Was passiert, wenn man den Winter streicht und den Herbst nahtlos in den Frühling übergehen lässt? Dieses ist im Augenblick am Laufen. Der Münchner bevölkert abends draußen die Stühle der Straßencafés, schlürft,was immer auch gerade Mode sein mag, chilled und probiert sonstige angesagte Wortformen dieser Tätigkeit im Eigenversuch.
Vielleicht sinniert er über das Modell eines neuen Bahnhofs im Hauptbahnhof. Vielleicht macht er sich Gedanken, warum es so blütenweiß ist und nicht farbig. Glauben die, dass uns Farbe mehr aufregt? Wollen sie uns einen unschuldigen, kleinen Bahnhof unterjubeln?
Es sind noch ein paar Tage, dann machen wir wieder Weihnachtsrummel, und zwar ganz mächtig. Bis dahin läuft das botanische Experiment weiter.
Gut, nicht in München Lebende wissen jetzt nicht, was hier gerade vorgeht. Deshalb zum Mitschreiben. In München blühen Kastanien – im November. Frische, hellgrüne Blätter lockern das öde Braun des Herbstlaubs auf. Und um das Experiment auf die Spitze zu treiben und Nachahmern des Versuchs gleich den Mut zu nehmen und ihnen die Aussichtslosigkeit ihres Tuns vor Augen zu führen, haben wir Herbstlaub und frisches Grün an ein und denselben Baum im Versuch. Dass die Kerzen auch noch am selben Baum wachsen, daran arbeiten wir noch.

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Jungs mit den großen Ohren, ich schwöre, ich bin nicht der verantwortliche Botaniker, ich bin nicht Mitglied der Gruppe und ich kenne die Beteiligten auch nicht, aber ich habe ihre Taten selbst gesehen und zwar am 6. November 2015; und ich schwöre, die Fotos sind von mir gemacht und kein Fake.

Und: Sollte es die Gruppe nicht geben, war früher eben alles anders.

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